Patiententag in Dillenburg 10/2009
Schon fast zur Tradition geworden fand am 24. Oktober 2009 der Patiententag in Dillenburg, ausgerichtet vom Landesverband der DVMB Hessen, statt. Es waren zahlreiche Mitglieder des Landesverbandes aus allen Teilen Hessens und Interessierte der Einladung gefolgt.
Die Vorsitzende des Landesverbandes der DVMB Hessen, Frau Elfriede Schmidt, eröffnete den Patiententag und begrüßte alle Anwesenden. Besonders hieß sie den Bürgermeister der Stadt Dillenburg, Herrn Manfred Lotz, den Beauftragten des Bundesverbandes der DVMB, Herrn Karl-Erich Reuter, sowie die Referenten Frau Kerstin Roth von der AOK Hessen, den Physiotherapeuten Herrn Heinz-Otto Junker und die Rheumatologin Frau Elisabeth Niewersch willkommen. Weiterhin begrüßte sie Herrn Sven Poppel, der im Vorraum der Tagungsstätte seine Poppolo-Stühle vorstellte.
Anschließend konnten alle Teilnehmer etwas über die Stadt Dillenburg erfahren. Der Bürgermeister, Herr Manfred Lotz, stellte in seinem Grußwort seine Stadt vor.
Dillenburg ist eine einladende, historische Stadt am Fluss Dill, die bei Wetzlar in die Lahn mündet. Sie gehört zum Lahn-Dill-Kreis im Regierungsbezirk Gießen. Die Stadt erhielt ihren Namen von der Dillenburg, die auf dem heutigen Schlossberg Ende des 13. Jahrhunderts bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet worden war. Seine wirtschaftliche Bedeutung erhielt der kleine Ort lange Zeit durch die Bergwerks-, Hütten-, Tabak- und Lederindustrie. Noch heute zeugen viele schöne Fachwerkhäuser vom einstmaligen Wohlstand Dillenburgs. Herr Lotz begrüßte es, dass der Landesverband der DVMB Hessen seinen Selbsthilfe- bzw. Patiententag hier in seiner Stadt ausrichtet.
Danach grüßte Herr Karl-Erich Reuter die Anwesenden vom Bundesverband der DVMB und wünschte der Veranstaltung einen guten Verlauf.
Frau Kerstin Roth hielt im Anschluss einen Vortrag zum Thema „Aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen“. Sie erläuterte im ersten Teil die Ausgaben der Krankenkassen und stellte dann die realen Einnahmen gegenüber. Immer weiter steigende Ausgaben gründen sich zum Beispiel darin, dass neue Leistungen in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wurden. So gibt es zum Beispiel einen immer höher werdenden Bedarf an Gelenkersatz. Die Arzneimittelforschung wird immer teurer, somit auch die neuen Medikamente. Dem gegenüber stehen die Einnahmen der Krankenkassen. Diese haben sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Die Bevölkerung wird immer älter. Die Zahl der nicht Beitrag zahlenden Versicherten steigt. Das liegt zum Teil auch daran, dass junge Leute einen immer längeren Bildungsweg einschlagen, ehe sie in das Erwerbsleben einsteigen. Arbeitslose, Rentner und Hartz IV-Empfänger zahlen weniger Beiträge.
Die Antwort der Regierung auf die veränderte demografische Entwicklung in Deutschland und den damit verbundenen geringeren Einnahmen der Krankenkassen stellt der am 01. Januar 2009 eingeführte Gesundheitsfond dar. Frau Roth erläuterte diesen sehr ausführlich. Wie wirksam er ist, wird sich in den nächsten Jahren erweisen. Mit einem Blumenstrauß bedankte sich Frau Schmidt für den sehr informativen Vortrag.
„Gehen – Verstehen“ – das war das Thema des Vortrages des Physiotherapeuten Heiz-Otto Junker. Zunächst erfuhren die Zuhörer etwas über das menschliche Gangbild, welches individuell sehr verschieden ist. Voraussetzungen für ein gesundes Gehen sind zum Beispiel eine gesunde Ernährung, intakte Gelenke und ein gesundes neuromuskuläres System, des Weiteren aber auch ein gutes Sehvermögen, Dynamik, zwischenzeitliche Entspannung oder auch die Ausnutzung von Schwung. Im Anschluss daran ging Herr Junker sehr anschaulich und detailliert auf diese Voraussetzungen ein. Die Teilnehmer des Patiententages waren sehr begeistert von diesem Vortrag, denn viele konnten seine Worte äußerst gut nachvollziehen. Unter anderem geht es fast jedem Menschen so, dass ein zu geringes Gangtempo zu einer raschen Ermüdung führt. Herr Heinz-Otto Junker machte auch noch einmal deutlich, dass für jeden Bechterew-Patienten eine stete Physiotherapie besonders wichtig ist, um die Versteifung der Wirbelsäule solange wie möglich aufzuhalten. Dabei ist auf die Früherkennung von Morbus Bechterew ein besonderes Augenmerk zu legen. Frühes Erkennen und damit ein früher Beginn der Bewegungstherapie kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Auch Herr Junker erhielt für seinen interessanten Vortrag als Dankeschön einen Blumenstrauß.
Zum Thema „Pillen und Spritzen“ referierte die Rheumatologin Elisabeth Niewersch. Zunächst stellte sie den Anwesenden noch einmal das Krankheitsbild des Morbus Bechterew vor. Er gehört zu den rheumatischen Erkrankungen, die wiederum zu der Gruppe der Erkrankungen des Immunsystems gehören. Morbus Bechterew ist auch heute noch äußerst schwierig medikamentös zu behandeln. Aber es gibt immer wieder vielversprechende Ergebnisse in der Arzneimittelforschung. Frau Niewersch konnte viel Neues über die Behandlung berichten. Dabei soll durch die Verabreichung der neuen Medikamente eine bessere Vitalität über den ganzen Tag erreicht werden, um eine kontinuierliche Physiotherapie und Krankengymnastik zu ermöglichen. Dieser informative Vortrag fand unter den Teilnehmern großen Zuspruch.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurden zwei Gruppen gebildet. Die erste besuchte den Wilhelmsturm und die Kasematten. Im Jahr 1875 wurde der Wilhelmsturm, heute Wahrzeichen Dillenburgs, auf dem Schlossberg vollendet. Der Turm soll an Wilhelm von Oranien erinnern. Die Kasematten unter dem ehemaligen Schloss sind zum Teil erhalten und gehören zu den größten unterirdischen Verteidigungsanlagen in Europa. Die Kasematten boten in Kriegszeiten Quartier für über 2000 Soldaten. Sie sind teilweise wieder freigelegt worden und so konnten sie auch von den Teilnehmern des Patiententages besichtigt werden.
Die zweite Gruppe besuchte das Landgestüt. Bereits im Mittelalter bestand in Dillenburg eine Pferdezucht. Es wurde die Rasse der Dillenburger Ramsnasen gezüchtet. Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde 1772 das Gestüt in den Gebäuden an der Wilhelmstraße untergebracht. Die Gebäude wurden aus den Trümmern des 1760 zerstörten Schlosses erbaut. Die Landes-, Reit- und Fahrschule wurde 1930 vom Gestüt eingerichtet. Seitdem bildet die Ausbildung von Reitern den zweiten Schwerpunkt des Landgestüts. In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wandelte sich der Schwerpunkt der Pferdezucht von kaltblütigen Pferden für die Landwirtschaft zu Reit- und Sportpferden. Durch die kurzweilige und amüsante Führung konnten alle viel Wissenswertes über das Hessische Landgestüt erfahren.
Die Besichtigungstour beider Gruppen endete mit einem kleinen Stadtrundgang durch das historische Stadtzentrum von Dillenburg.
Dieser gelungene Patiententag klang mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken aus.
Esther Hantke


